Gemäßigte Regenwälder gehören zu den spektakulärsten, beeindruckensten und geheimnisvollsten Wäldern die ich überhaupt je gesehen habe. Sie sind nicht weniger undurchdringlich und urwaldartig als die Dschungel in der Nähe des Equators. Die Bäume werden so hoch daß der Himmel kaum mehr zu sehen ist und am Waldboden sammeln sich moosbedeckte Wurzelstöcke, umgefallende Baumstämme und Zweige. Wasser ist überall, alles ist tropfnass, mit jedem Schritt sinkt man in den dicken Moosteppich ein und wenn es gerade mal nicht regnet schweben dicke Nebelschwaden wie Schleier zwischen den Bäumen. Die Zweige sind mit Moos und Flechten behangen, feucht schimmern sie in tausend Grüntönen. Ein betörender feuchter und leicht süsslicher Duft von verottendem Holz und Pilzen hängt in der Luft.

Um gut zu gedeihen brauchen gemäßigte Regenwälder zwei Dinge: ein gemäßigtes mildes Klima ohne große Temperaturschwankungen und sehr viel Wasser. Regnerische und mit Nebel verhangene Küstengebiete mit einer ganzjährig hohen Luftfeuchtigkeit, in Breiten zwischen 40 und 60°, wie die Pazifikküste Kanadas bieten hervorragende Bedingungen. Die typischen an der Westküste Nordamerikas heimischen Nadelbäume wie die Sitka-Fichte, die Gewöhnliche Douglasie, der Riesen-Lebensbaum und die Westamerikanische Hemlocktanne können sich unter diesen Bedingungen zu wahren Riesen entwickeln, denn sie wachsen praktisch ununterbrochen das gesammte Jahr über! Gemäßigte Regenwälder sind nicht nur außergewöhnlich schön sondern sie sind auch eines der artenreichsten Ökosysteme überhaupt. Sie bieten Lebensräume für unendlich viele Lebewesen, von den kleinsten Spinnen und Insekten bis hin zu den großen Raubtieren wie Bären, Wölfe und Pumas.

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man gemäßigte Regenwälder in vielen Teilen der Welt bewundern, sogar in Europa (Schottland, Irland und Island). Leider sind ein Großteil dieser wunderbaren Wälder der Profitgier des Menschen zum Opfer gefallen und wurden durch weitflächige Kahlschläge vernichtet. Ein paar wenige alte gemäßigte Regenwälder haben bis heute überlebt, hauptsächlich in Chile, Tasmanien, Neuseeland und im nordwestlichen Amerika. Auch wenn die Wälder an der nordamerikanischen Pazifikküste sehr unter der industriellen Abholzung gelitten haben, sind sie heute die größten und weitflächigsten Wälder dieser Art.

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