Es ist Ende Mai 2024, die schönen Tage seit dem letzten Oktober kann ich an einer Hand abzählen. 8 Monate Regen und grauer Himmel. Ich habe die Nase voll von diesem Mistwetter. Und auch wenn ich jetzt nicht gerade ein Fan von grosser Hitze bin, brauche ich endlich etwas Sonne, bei dem endlosen Grau kann man ja wirklich gemütskrank werden! Seit ein paar Tagen beobachte ich aufmerksam die Wetterkarte und Vorhersagen. Ich suche ein kleines Fleckchen, nicht zu weit weg von hier, wo ich endlich ein bisschen Sonne tanken kann.
Meine Wahl fällt schliesslich auf das hübsche Dorf von Sainte-Eulalie-de-Cernon im Aveyron. Was genau es dort zu sehen gibt weiss ich noch nicht, aber eines ist sicher, wenigsten ist dort schönes Wetter ! Auf dem Weg über das Plateau de Millevaches regnet es in Strömen, ich habe es eilig das alles hinter mir zu lassen.
Am spâten Morgen erreiche ich das department Aveyron, der Himmel ist klar und ich mache eine Pause auf einem kleinen, leeren Parkplatz nicht weit von Séverac-le-Château. Ich bin noch kaum ausgestiegen, da fällt mir ein kleiner rosaner Fleck am Rande des Parkplatzes auf. Kein Zweifel, es handelt sich um eine mir bisher unbekannte wilde Orchidee. Vor lauter Aufregung vergesse ich sogar meine Brotzeit. Ich muss dazusagen dass wir mit unseren sauren Böden in der Creuse, was wilde Orchideen angeht, nicht gerade verwöhnt sind. Das männliche Knabenkraut ist zwar sehr verbreitet und ich habe auch das gefleckte Knabenkraut an ein paar Stellen gefunden, aber das war’s dann auch schon.


Nach einer kurzen schnellen Brotzeit ziehe ich los die Umgebung zu erkunden. Ich würde gerne ein anderes Exemplar der Pyramiden-Hundswurz finden, als die direkt am Parkplatz. Zu meiner grossen Überraschung finde ich im Umkreis von 500 Metern nicht nur weitere Exemplare der Pyramiden-Hundswurz, sondern sage und schreibe 7 verschiedene mir völlig unbekannte Arten.

Leider habe ich nicht die Zeit den restlichen Nachmittag hier zu verbringen, bis zu meiner Unterkunft habe ich noch etwas Fahrt vor mir, aber ich nehme mir fest vor hier nochmal herzukommen.

In Sainte-Eulalie angekommen fragt mich der Besitzer des kleinen Studios was ich in der Gegend vorhabe, und ob ich da bin um die Orchideen zu fotografieren. Er zeigt mir ein Schautafel über Orchideen auf dem Dorfplatz, und wenige Meter von dem Studio entfernt entdecke ich einen kleinen Laden mit wunderschönen Aquarellen von wilden Orchideen. Ob mir da jemand etwas sagen möchte ? Jedenfalls scheint sich mein Ausflug in die Sonne in einen Ausflug zu den Orchideen zu verwandeln.
Während meinem kurzen Aufenthalt erkunde ich 3 verschiedene Orte in der Umgebung, ich entdecke eine neue Welt, nämlich die der faszinierenden Formen und Farben der wilden Orchideen. Insgesammt zähle ich 25 Arten, eine wunderbarer als die andere…. Da gibt es die unscheinbaren wie zum Beispiel das grosse Zweiblatt, die grossen bunten wie das Purpur-Knabenkraut oder das Schmetterlings-Knabenkraut. Nicht zu vergessen die einzigartig geformten Blüten des Affen-Knabenkrauts, und schliesslich die kleinen fein gemusterten Blüten der Gattung Ophrys (Ragwurz).
Und dann sind da noch die vielen verschiedenen unglaublich faszinierenden Hybriden, denn die wilden Orchideen kreuzen sich gerne. Die Eltern der Nachkommen sind nicht immer leicht zu identifizieren, besonders für einen Neuling wie mich.

Aber fast überall hatte ich das Glück auf Experten der wilden Orchideen zu treffen die sich freuen ihr Wissen teilen zu können und von denen ich viel gelernt habe.
Hier könnt Ihr alle meine Fotos von wilden Orchideen sehen: https://karinswildlifediaries.org/de/?post_type=jetpack-portfolio&p=4978